Klaus Gobald – 46 Jahre bei den Bergbahnen Oberstdorf-Kleinwalsertal

Das Bergbahn-Gen wurde Klaus Gobald wohl in die Wiege gelegt. Und aus kindlicher Neugier entwickelte sich ein Beruf, der beinahe das gesamte Arbeitsleben des sympathischen Vorarlbergers ausfüllte. Nach mehr als vier Jahrzehnten ging das „Urgestein am Ifen“ in Pension – oder doch nicht? Wir haben mit dem Seilbahnexperten und fundierten Kenner des Zwei-Länder-Skigebiets Oberstdorf-Kleinwalsertal gesprochen.

Kaum zu glauben, wie sich das Skigebiet in Bayern und Österreich innerhalb eines halben Jahrhunderts entwickelt hat. Unglaublich auch, welche enormen technischen Anforderungen der Fortschritt mit sich brachte. Klaus Gobald hat alle Aufgaben gemeistert, mit Fleiß, hundert Prozent Einsatzbereitschaft und echter Begeisterung. Seit 31. Mai 2018 ist er im Ruhestand – und umtriebig wie eh und je. Denn der endgültige Abschied von den Bergbahnen liegt für ihn noch in weiter Ferne.

Grüß Gott, Herr Gobald! Danke, dass Sie sich für ein Gespräch Zeit nehmen! Was mich besonders interessiert: Wie sind Sie eigentlich zu den Bergbahnen gekommen?

Das Interesse für die Bergbahnen habe ich von frühester Kindheit an. Ich bin in Lech am Arlberg aufgewachsen, mein Vater hat bei den Lecher Bergbahnen gearbeitet. Wir Kinder sind auf Skiern und mit den Bergbahnen zur Schule gefahren, auch Einkäufe haben wir so erledigt. Die Bergbahn war also ein Teil unseres Alltags. In den 1960er Jahren sind wir ins Kleine Walsertal übersiedelt und neben unserem Haus war ein Schlepplift. Wir Kinder haben die Skipiste getreten und die Spur gerichtet, dafür haben wir Freifahrten für den Lift bekommen.

Mit den Skiern zur Schule – davon träumen sicherlich viele Kinder! Das Pistentreten war allerdings vermutlich richtig anstrengend. Wie ging es dann beruflich für Sie weiter?

Zunächst habe ich eine Ausbildung zum Elektriker gemacht, danach war ich kurze Zeit im Fernverkehr tätig. Bei den Bergbahnen am Ifen habe ich mich im Jahr 1974 beworben. Ich arbeitete als Lifthelfer, Raupenfahrer und im Elektrobereich. Irgendetwas habe ich wohl richtig gemacht, denn 1975 durfte ich die Ausbildung zum Betriebsleiter absolvieren und wurde zum stellvertretenden Betriebsleiter der Ifen-Lift Alfons Herz KG berufen.

Eine recht rasche Karriere, Respekt, Herr Gobald! Wer hat Sie in dieser Zeit gefördert und geprägt?

Mein Vorgesetzter, Herr Steinbrück, war als Lehrmeister und Mensch ein echtes Vorbild. Wir hatten ein sehr gutes Betriebsklima, die Zeit mit den vielen Kollegen war wirklich sehr schön. Als Herr Steinbrück im Jahr 2000 in Pension gegangen ist, wurde ich Betriebsleiter. Ja, so war das dann. Und mit 62 Jahren hätte ich ja auch gehen können, aber der Geschäftsführer fragte mich, ob ich den anstehenden Bau (Anm.: Großprojekt Bergbahnen Ifen I und Ifen II, Eröffnung 2017) noch machen würde. Da habe ich ja gesagt und bin halt erst mit 66 in den Ruhestand gegangen.

Was waren die größten beruflichen Herausforderungen für Sie als Betriebsleiter der Bergbahnen?

Ganz klar waren das die Bauprojekte. Das Einmalige am Zwei-Länder-Skigebiet Oberstdorf-Kleinwalsertal ist, dass ich es immer mit den Behörden und Gesetzen zweier europäischer Staaten zu tun hatte. Der Kampenwand-Lift zum Beispiel fängt in Deutschland an und hört in Österreich auf. Da muss man sich als Betriebsleiter schon sehr gut auskennen. Außerdem haben wir immer darauf geschaut, die neueste Technik zu verwenden. 1978 haben wir mit der Hahnenköpflebahn eine der drei ersten Doppelmayr-Kuppelbahnen weltweit in Betrieb genommen! Heute ist diese Technik gang und gäbe, damals war es revolutionär, die Gondel im „Bahnhof“ (der Station) auszukuppeln, für das Ein- und Aussteigen zu verlangsamen und wieder automatisch zu beschleunigen.

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Herr Gobald, ich nehme an, dass sich nicht nur bei der Bergbahntechnik einiges verändert hat. Auch die Gäste sind anders als vor 50 Jahren. Wie sehen Sie das?

Allerdings, die Gäste sind anspruchsvoller und viel bequemer geworden. Heute kann man es sich nicht leisten, eine Piste nicht perfekt zu präparieren. Schlepplifte werden von den Gästen auch immer weniger angenommen. Außerdem ist das Thema Sicherheit sehr wichtig geworden, bei uns fällt garantiert kein Kind vom Sessellift oder aus der Gondel. Da unser Skigebiet ein Technik-Testgebiet war, hatten wir immer die neuesten Maschinen und Möglichkeiten, das war natürlich toll für uns – wir hatten die Nase vorn!

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Wenn Sie all diese Entwicklungen betrachten, wo sehen Sie die größten Aufgaben für die Zukunft des Skigebiets Oberstdorf Kleinwalsertal?

Das vielleicht brennendste Thema heißt umweltbewusstes Bauen. Das war für uns schon immer sehr wichtig, heute gibt es aber viele Auflagen, zumal unser Skigebiet im „Natura 2000“-Schutzgebiet liegt. Das Skigebiet war natürlich schon vor der Ernennung zum Schutzgebiet da und es soll auch bleiben, daher hat die Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden oberste Priorität. Zweites wichtiges Thema ist die Schneesicherheit. Wir haben eine große Schneeanlage mit zwölf Kilometern Beschneiung, 80 Schneeerzeugern und einen Speicherteich für 100 Kubikmeter Wasser gebaut. Da muss man immer dranbleiben!

Herr Gobald, erlauben Sie mir eine Frage zum Schluss: Werden Sie sich auch in Zukunft bei den Bergbahnen einbringen?

Ja, auf jeden Fall! Mein Gesicht wird man nicht nur auf der Klaus-Gobald-Gondel an der Kabinenbahn am Ifen sehen! Ich werde bei der Beschneiung mithelfen und weiterhin beim Lawinensprengen tätig sein. Mit meinem Nachfolger in der Betriebsleitung habe ich ein sehr gutes Verhältnis und die Arbeit macht mir auch nach 46 Jahren noch Freude.

Lieber Herr Gobald, herzlichen Dank für die spannenden Einblicke in Ihr langes Berufsleben und die Welt der Bergbahnen Oberstdorf-Kleinwalsertal. Wir wünschen Ihnen einen erfolgreichen Winter und noch viele aktive Jahre!

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